25. Juni 2014
von Sandro
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Selbstversorger-Großfamilie, Tauschkreise und Schenkökonomie

Kurz hinter Eggenfelden, also ungefähr auf halber Strecke zwischen München und Passau, wohnen die Fuchsens, eine befreundete Familie. Besucht habe ich sie vor allem, weil wir uns schon lange nicht mehr gesehen hatten und weil sie schön auf meinem Weg Richtung Österreich lagen. Ich durfte bei ihnen dann auch einiges über Selbstversorgung und überraschend viel über Gemeinschaftsmodelle lernen.

Sie sind eher ein Gemeinschaftsprojekt im familiären Sinne. Das heißt alle ihre „Gemeinschaftsmitglieder“ entstammen bei ihnen sozusagen der Eigenproduktion – und mit 5 Kindern ist da richtig was los! Das war für mich eine sehr interessante neue Erfahrung und ich war sehr beeindruckt mit welcher Gelassenheit Andreas und Petra alles auf die Reihe kriegen.
 
Und auch in Richtung Selbstversorgung sind sie Vollgas unterwegs. Es gibt schon einige Beete, ein Gewächshaus und einen großen Garten, in dem noch viel geplant ist und ich durfte mithelfen einen Unterstand für die Tomatenpflanzen zu bauen (:
Sehr empfehlenswert ist auch der Blog, den die beiden betreiben! Hier beschreiben sie ihre Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstversorgung aber auch, wie man z.B. durch die eigene Verarbeitung oder Herstellung von Verbrauchsgütern viel Geld sparen kann: www.zumursprungzurueck.com

Hier ein kleiner Videoschnappschuss von mir im Garten:

 

Vom Tauschkreis in Richtung Schenkökonomie

Was ich dann auch noch sehr spannend fand, war der Tauschkreis, den die beiden in ihrer Region initiiert haben. „WIR gemeinsam Eggenfelden“ nennt sich das ganze und ist einer von vielen WIR gemeinsam-Tauschkreisen, die sich momentan in Ostbayern und in Östereich entlang der Donau ausbreiten. Der Grundgedanke dabei ist der, dass sich Menschen zusammenschließen und durch den Austausch von Tätigkeiten unterstützen, die im Bereich der Nachbarschaftshilfe anzusiedeln sind. Organisiert wird das Ganze durch eine Komplementärwährung in Form von Scheinen, die an die Arbeitszeit gebunden sind. Für eine Stunde im Garten helfen bekommt man also einen Schein im Wert von einer Stunde, den man dann als Zahlungsmittel benutzen kann, wenn man von jemand anderem aus dem Tauschkreis Hilfe in Anspruch nehmen will (mehr Infos gibts hier).
 
Diese Konzepte der Parallelwährung, des Regionalgelds und auch der zeitbasierten Komponente finde ich sehr interessant, waren mir aber schon vorher bekannt. Was für mich wirklich neu und faszinierend war, war die Wirkung, die sich bei den Menschen im Tauschkreis gezeigt hat. Es entstanden nämlich viele neue Bekanntschaften bis hin zu Freundschaften und ging auch soweit, dass Menschen Tätigkeiten ohne Bezahlung füreinander erledigten.
Und hier sehe ich den entscheidenden Schritt und eine sehr spannende Entwicklung, die denke ich einiges Potenzial hat unser gesellschaftliches Miteinander zu verbessern.
 
Denn in unserem bisherigen, doch relativ stark Geld- bzw. Gegenleistungs-fokussierten System – also dass jede Leistung sofort mit einer Gegenleistung abgeglichen werden muss – sehe ich neben den Effizienzvorteilen v.a. zwei große Nachteile, wenn es um die sozialpsychologische Perspektive geht:
Zum einen werden die Verbindungen zwischen den Menschen durch die Gegenleistung sofort gekappt. Als gutes Gegenbeispiel sehe ich die indigenen Kulturen, in deren Schenkökonomie jeder das, was er geben will, an alle ohne (sofortige) Gegenleistung abgibt. Die Gegenleistung muss zwar trotzdem irgendwann erfolgen damit das System funktioniert, aber sie muss nicht sofort gegeben werden und sie muss auch nicht direkt an den ersten „Geber“ erfolgen, sondern kann über Umwege der Gesellschaft als Ganzes zugute kommen und somit auch wieder dem Einzelnen. Dadurch entsteht eine sehr viel größere Verbindung zwischen den Menschen, als wenn jede Leistung sofort mit Geld oder einem anderen Tauschmittel abgegolten wird.
(Die Frage, wie groß eine Gemeinschaft sein darf, damit dieses Konzept funktioniert, ist da natürlich auch nochmal spannend – zu den Vor- und Nachteilen von regionaleren Strukturen will ich demnächst noch etwas schreiben…)
 
Den zweiten großen Nachteil, den ich in unserem Geldsystem sehe, ist der der Abstraktion. Denn durch den Fokus auf das Geld verlieren wir oft aus den Augen welchen Wert die Dinge wirklich haben und welche ökologischen und sozialen Auswirkungen wir mit unseren Kaufentscheidungen verursachen, weil diese bei nur sehr wenigen Produkten mit im Preis abgebildet sind (und auch bei Fairtrade- und Bio-Produkte geht das oft noch nicht weit genug).

Neue Wege gehen?

Deswegen finde ich es eben sehr spannend zu überlegen, wie eine Gesellschaft oder auch erstmal kleinere Gemeinschaften von Menschen ohne Geld funktionieren würden und welche Vorteile sich daraus ergeben würden.
Ich denke, dass sich ein sehr viel größeres Gefühl der Verbundenheit und Solidarität entwickeln könnte und dass in Verbindung mit regionaleren Produktionsstrukturen auch eine insgesamt bewusstere Art und Weise entstehen könnte zu leben und zu konsumieren, die dann auch weniger Schäden und Leid verursacht.
 
Was denkst Du zum Thema Geld, seiner Wirkung auf unser Miteinander und mögliche Alternativen? Fände ich sehr spannend Eure Meinungen dazu in den Kommentaren zu sehen!

18. Juni 2014
von Sandro
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Glück, Nachhaltigkeit, genügsames Leben… Wo ist der Zusammenhang?

Mittlerweile bin ich ja schon in Österreich und beim nächsten Projekt angekommen – wo ich auch gerade dabei bin einen kleinen Film über das Projekt dort zu machen :) – aber heute gibts erstmal nur kurz den Link zum Interview, das ich der lieben Santa von FindingSustainia gegeben habe.
Es geht um den Zusammenhang zwischen Glück und Nachhaltigkeit, mögliche Formen, wie meine Reise enden könnte, und Minimalismus.

Viel Spaß!

Zum Interview gehts hier entlang

7. Juni 2014
von Sandro
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Unterwegs im bayerischen Hinterland…

Sooo, hier also das erste Update von unterwegs!

Gleich nach meinem Start aus München erreichte ich innerhalb eines Tages das Projekt in Mammendorf und durfte dort einige sehr sympathische Menschen kennenlernen, die sich dort auf einem alten Hof gerade in Richtung Selbstversorgung bewegen und auch eine solidarische Landwirtschaft aufbauen wollen. Das bedeutet, dass sie Gemüse und Obst anbauen wollen und dieses dann direkt an Endverbraucher abgeben (vielleicht hat der ein oder andere schonmal etwas von der Ökokiste oder dem Kartoffelkombinat gehört, in eine solche Richtung geht das dann).

Hier ein kurzes Video von mir aus dem Garten des Projekts:

Die Initiatoren des Projekts suchen noch nach Mitwirkenden; wer Interesse hat, kann sich also gerne dort unter der Emailadresse hof.toni [ät] web.de melden!

Nachdem ich mich wieder auf den Weg gemacht hatte, gab es dann zuerst einmal ein paar Tage Regen. Auch wenn das teilweise ein bisschen unangenehm war, gehört das ja auch einfach mal dazu. Und mit dem richtigen Regenschutz übersteht man es auch einigermaßen ;)

Ein Begleiter!

In Ismaning, also nördlich von München, ist dann Bruno dazugestoßen. Wir kennen uns schon länger, aber erst zwei Wochen vor meinem angepeilten Tourstart hat er sich entschlossen mitzukommen, da er zum einen das Thema Selbstversorgung und ein glückliches und nachhaltiges Leben sehr spannend findet und da er auch Filmemacher ist und meine Reise gerne filmisch begleiten möchte.

Hier ein kleiner Ausschnitt von unterwegs, in dem ich kurz Bruno vorstelle und einen kleinen Einblick in den Wander-Alltag gebe:

Ihr seht, dass wir nach den Regentagen also auch wieder sehr schönes Wanderwetter hatten ;)

Ein Highlight war noch der Aufenthalt beim Biobauern Mogli in Moosinning! Freundlicherweise durften wir bei ihm im Innenhof unsere Zelte aufschlagen und wurden sogar noch mit Essen, warmem Tee und Bier beschenkt (: und durften ihm ein bisschen über die Schulter schauen, hier mit ihm im Traktor beim Mulchen:

Mit Mogli im Traktor

Ein sehr spannender Mensch mit viel Energie und Einsatz für die biologische Landwirtschaft, sehr inspirierend.

 

Mittlerweile sind wir schon beim nächsten Projekt, davon berichte ich euch dann beim nächsten Mal ;)

Bis dahin, euch allen eine gute Zeit!